Generalversammlung rla 2011:

Verband der Reallehrkräfte Aargau, rla                                                     Aarehof Wildegg, Ende November 2011


Protokoll der ordentlichen Generalversammlung
vom 16. November 2011 im Restaurant Aarehof, Wildegg
 

Anwesend sind 20 Personen (8 Verbandsmitglieder, 4 Vorstandsmitglieder, 8 Gäste: aus alv, sla, plv, SHP, ein pensioniertes rla Mitglied)

Entschuldigt haben sich Werner Zumstein, Rheinfelden, Mirjam Obrist BKS, Ernst Meyer, Revisor,

Beginn: 19:00 Uhr

 

 Geschäftlicher Teil    

 

1  Begrüssung

Bernhard begrüsst alle Anwesenden.
Die nunmehr 3. Auflage der neu gestalteten Einladungsbroschüre nimmt er als Aufbruch und „Schritt in die richtige Richtung – was es auch für eine sei…“

 

2  Protokoll der GV 2010

Wird genehmigt. Bernhard dankt für das sehr ausführliche Protokoll.

 

3  Jahresbericht des Präsidenten

Der Jahresbericht ist in der Einladung abgedruckt. Der Vorstand bearbeitete schulpolitische Themen, die grossen Einfluss auf unsere Stufe haben werden. Es kostete viel Zeit und enorme Energie, diese Arbeit zu viert zu leisten. Die totale Abstinenz der rla-Mitglieder von der schulpolitischen Äusserung oder vom Kontakt mit ihrem Vorstand ist unverständlich. Ein wichtiges Thema ist deshalb die Frage, was aus dem ReallehrerInnenverein wird. Knapp 300 Einladungen wurden verschickt. Eine offene Vorstandssitzung in Neuenhof im Juni wurde von niemandem (!) besucht, obwohl die KollegInnen aus den umliegenden Schulen persönlich schriftlich und mündlich eingeladen worden waren. Das gab „zu beissen“. Die Frage nach dem Wie-Weiter ist eine drängende. Bernhard weist kurz auf einige wichtige Punkte, die die Realschule betreffen: Bis vor kurzer Zeit begleitete 1 Lehrperson eine Realklasse von der 1. bis zur 4. Klasse. Das hat geändert. Die neue Lehrpersonengeneration ist als Fachlehrperson ausgebildet. Sie ist auf allen drei Oberstufenniveaus lehrberechtigt und bewirbt sich selten in erster Priorität bei der Realschule.  Die Integration von ehemaligen KleinklässlerInnen in die Regelklassen ist in grossen Teilen des Kantons eingeführt. Der Vorstand bringt die Frage nach der gerechten Zuteilung sowie die Verträglichkeit für die Klassen in die politische Diskussion. Bernhard kann als Mitglied des Erziehungsrates die Anliegen des rla mit Gewicht einbringen und hat auf diese Weise viel erreicht.

 

Andreas Amacker macht den guten Vorschlag, dass der Vorstand kurz vor offenen Vorstandssitzungen (ca 2 Wo) ein Massenmail senden könnte. So wären Interessierte direkter und kurzfristiger angesprochen.

 

4  Jahresrechnung 2010 / 2011

Markus erklärt die Differenz zum budgetierten Betrag. Gründe für den Überschuss sind die kleine Zahl der Vorstandsmitglieder (nur 4 Personen) und der Wegfall der Klausur.

Heinz Ackle, Revisor, empfiehlt nochmals eine offene VS in Neuenhof wegen der feinen, liebevoll belegten Brötli für 30 Personen, die Käthi spendiert hat! Und er stellt Antrag, die Rechnung anzunehmen. Dieser wird einstimmig angenommen. Es gibt herzlichen Applaus für Markus.

 

5  Budget 2011 / 2012

Markus weist auf den Rückgang der Einnahmen hin. Deshalb wurde das Budget nach unten angepasst. Der Jahresbeitrag bleibt gleich trotz einem budgetierten kleinen Verlust, da die Reserven noch gross genug sind. Es gibt keine Fragen zum Budget. Das Budget wird angenommen. Markus ermuntert alle in der Pause eine Zwischenverpflegung zu bestellen. Der rla kann das bezahlen.

 

6  Wie weiter mit dem rla?

Bernhard schlägt provokativ die Auflösung des rla vor. Idee: das Geld einem charitativen Zweck zukommen lassen. Der rla könnte sich auch dem sla anschliessen, da die Ausbildung der Lehrpersonen die gleiche ist. Die momentane Situation ist unbefriedigend. Die Anwesenden sind aufgerufen ihre spontanen Ideen zu nennen. Verena Fankhausers Frage, ob der sla mit vergleichbaren Problemen kämpfe, beantwortet Esther Erne, Präsidentin sla, auch nicht euphorisch: An der  GV des sla seien von gut 400 Mitgliedern nur ca 30 Personen anwesend gewesen. Es wird die Frage nach den Gründen für die Abstinenz an gewerkschaftlichem Denken gestellt. Die Reformen haben viele Kräfte absorbiert. Der alv hat in der Zwischenzeit sehr viel gewerkschaftliche Aufgaben übernommen und ist präsent. Kann es sein, dass dies ein Grund ist, dass das Bedürfnis nach einem rla gering ist?

Nick Stöckli, Präsident alv, freut sich, dass der alv stärker wahrgenommen wird. Er nimmt an, dass die heute ausgebildeten Junglehrpersonen sich nicht als Sek- oder Reallehrpersonen verstehen, sondern sich 1 Oberstufenverband wünschen. Die Fragen, die sich der rla stellt, sind eigentlich Fragen der Oberstufe. Er stellt sich vor, dass der rla sich mit den anderen OS Verbänden zusammentut. Es könnte eine alv-Fraktion, gebildet werden. Das gäbe eine Stärkung für die Bearbeitung gemeinsamer Anliegen. Abwesenheit an der GV bedeutet seiner Meinung nach nicht Desinteresse, sondern einfach anderweitige Beschäftigung. Realklassen werden im Kanton sehr unterschiedlich geführt. In Oberentfelden hält man an herkömmlichen Formen fest.

Dagegen stellt Rainer Baldinger, ehemaliger Schulleiter in Laufenburg, fest, dass in seiner Schule nur noch 1 LP ausschliesslich an der Real unterrichtet. Alle andern unterrichten seit vielen Jahren im Fächerabtausch und über die Stufen hinweg. Die Lehrpersonen verstehen sich demgemäss gar nicht als Real- oder SekundarlehrerInnen. Seiner Meinung nach wäre der Weg ein Zusammenschluss der Verbände, eine Fusion. Bernhard signalisiert Gesprächsbereitschaft mit dem sla.

Käthi Häfliger möchte die Gelegenheit nutzen, Esther zu diesem Thema zu hören. Esther sagt, der sla habe noch nie über dieses Thema gesprochen. Und fügt schmunzelnd hinzu, dass dies unter dem Aspekt der Finanzen, die beim rla so gut seien, interessant sein könnte.

 

7  Anträge der Mitglieder

 

Nick Stöckli, Information über das IS Hearing vom 02.11.11

Integration ist grundsätzlich ein gutes Prinzip. Es gibt Gelingensbedingungen. Die Führung am BKS will sich nicht entscheiden: der Bildungsdirektor will die IS freiwillig lassen. Dies ist nicht gut. Im Kanton ist IS an den Primarschule weit fortgeschritten. An der Oberstufe ist sie auf dem Weg. Der alv möchte Forderungen stellen. Deshalb hat ein „Hearing“ mit Dozenten, Bildungsverantwortlichen, Schulpflegemitgliedern, Lehrpersonen… zusammen mit 2 Dozenten der PH Luzern stattgefunden. Es besteht kein Protokoll, weil der Anlass vertraulich war, sodass man „laut denken“ konnte. Es schälte sich das Dilemma der Integration trotz Separation heraus. Unter den jetzigen Systembedingungen kann IS nicht gelingen. Es besteht Handlungsbedarf. Ein Bericht steht allen TeilnehmerInnen zur Verfügung.

Um IS eine Chance zu geben, müsste die bestehende Struktur verändert werden. Im Kanton AG ist dies unmöglich. Deshalb nimmt sich der alv vor die Bedingungen für die Realschule zu verbessern. Heute läuft die Praxis auf eine 2-gliedrige OS zu. Eine Stärkung der Real ist 1. notwendig, und 2. politisch realisierbar. Das Bewusstsein und die Bereitschaft, dass etwas verändert werden muss, ist hoch. Dieser Druck ist gleichzeitig Motor, dass etwas an den Strukturen geändert werden muss. Der alv hat vor anfangs Winter eine Umfrage zu machen zur Befindlichkeit, Analyse der Ist-Situation und eine Bedürfnisabklärung, was man sich zur Verbesserung vorstellt. Dann sollen die Ergebnisse an einem Hearing beurteilt werden. Es folgt eine Initiative, Motion oder dergleichen = konkrete Vorstösse. - Applaus aus den Reihen

Bernhard dankt. Er findet Übereinstimmung mit seinem Text über die Integration an der Realschule. (der nächstens erscheinen wird).

Matthias gibt dazu ein Stimmungsbild der Schule Entfelden: Anlässlich der Vollversammlung wurde das Thema IS gewählt. Fazit: Sie wollen weiterhin Kleinklassen und gleichzeitig die Durchlässigkeit erhalten, IS schafft Ressourcen (vergl. Kindergarten, wo alle Kinder sind!). Die Diskussion ergab ein deutliches Nein zur IS. Der Vorsitzende wollte „IS Ja – aber“ Die LP sagen „IS nein – erst wenn…. dann ein JA“ In Entfelden ist man gegen IS und macht sich lustig über sogenannte internationale Erkenntnisse.

Sibylle Gersbach, Schulische Heilpädagogin und Klassenlehrerin einer 2. Realklasse in Laufenburg, stellt klar, dass sie die „alte Art“ nie wieder will. Die Bedingungen in Laufenburg sind positiv, und man kann auf gute Erfolge zurückblicken. Laufenburg hat gute Erfahrungen mit IS, an der Primarschule schon lange! Eine Umfrage wäre aus ihrer Sicht sehr informativ für alle! Im Sinne einer Horizonterweiterung würde es die Möglichkeit schaffen, dass Lehrpersonen sich von ihrem Standpunkt bewegen.

Bernhard konnte im Laufe seiner Lehrertätigkeit kaum je eineN LernendeN in eine tiefere Stufe abgeben. „Is an OS“ bedeutet IS an allen 3 Stufen, sonst müsste es „IS an der Real“ heissen.

Rainer äussert Verständnis für Entfelden. Laufenburg wurde „ins kalte Wasser geworfen“, indem die OS SchülerInnen aus der Primarschule, die dort integrativ beschult worden waren, übernehmen musste. Man wollte sie nicht in eine Kleinklasse zurück schicken. Man hätte damit das eigene neue System wieder infrage gestellt.  Es braucht unbedingt eine gute Ausbildung der OS-Lehrpersonen für diese Thematik, Werkzeuge dafür, Überprüfung des Outcomes, um Vergleichsmöglichkeiten zu bekommen.

 

Bernhard ist froh um diese Diskussion und verspricht die Voten in die Vorstandsarbeit mitzunehmen.

Käthi meint, dieses Thema gehört in die Diskussion über ein Zusammengehen mit den anderen OS Verbänden. Dieses Anliegen muss an einem gemeinsamen Thema angebunden sein.

 

8  Verschiedenes und Umfrage

Dieses Traktandum wurde vergessen.

 

Pause

 

Thematischer Teil

 

1

Hansrueli Hottinger stellt LIFT vor: LIFT könnte ein Element der Berufswahlvorbereitung sein. Es ersetzt sie aber nicht. LIFT kann auch nicht flächendeckend für alle Jugendlichen angeboten werden. Die Kapazität dafür ist nicht gegeben. Die Lehrperson schätzt ein, welches Kind LIFT brauchen würde. Ein Anfang wird während des 7. Schuljahres gemacht, Anmeldung mit dem Einverständnis der Eltern. Der Arbeitseinsatz untersteht dem Arbeitsgesetz für Jugendliche. Eine Lohnbeschränkung wird nach Betrag definiert, der Arbeitseinsatz liegt in der Freizeit. Man verspricht sich eine Reifung der SchülerInnen, die Defizite in Selbst- und Sozialkompetenz haben. Die Aufgabe der Klassenlehrpersonen beschränkt sich auf Selektion und gelegentliche Absprachen. Aufgaben können delegiert werden. Diese Reform bringt für Lehrpersonen eine echte Entlastung. LIFT lebt von Stiftungen www.nsw-rse.ch 

Frage nach Motivation der Jugendlichen zur Zusatzarbeit (Sie arbeiten in der Freizeit.) - Antwort: Der Jugendliche bekommt eine Gegenleistung: Er bekommt einen höheren Stellenwert auf dem Arbeitsmarkt. Das Sackgeld kann auch locken. Es findet keine Stigmatisierung statt.

2

Michael  Wittwer, Aarau, spricht über die ersten Erfahrungen mit LIFT in Aarau. Als Berufswahllehrer und ehemaliger Werkjahrlehrer (95% ausländische Jugendliche) hat er Erfahrung mit Jugendlichen, die Probleme haben mit der Berufseingliederung. Das Lehrerteam in Aarau hat die UT Sitzung für die Vorbereitung von LIFT verwendet. Das LehrerInnen-Team musste ein Konzept ausarbeiten. Es entstand ein Kampf im Kollegium um die zugesprochenen Lektionen (in Aarau 6 Lektionen, bezahlt vom BKS aus den Ressourcen für IS, in Absprache mit Mirjam Obrist, BKS). Voraussetzung war das Einverständnis der Schulleitung. Das Projekt fand begeistertes Echo an der Realschule. Ein erstes Modul (Wochenarbeitsplätze) läuft ab Februar 2012. Idee des Projekts verfolgt die Nachhaltigkeit. Deswegen möchte Michael einen Trägerverein gründen. Es braucht ein initiatives Team, welches Synergien nutzt. Die Ergebnisse versprechen, dass die Arbeit sich lohnt.

 

Angesichts der vorgerückten Stunde beschliesst Bernhard an dieser Stelle den offiziellen Teil der GV. Er wünscht denen, die sich verabschieden eine gute Heimfahrt und dankt fürs Kommen.

 

Es folgt eine angeregte Diskussion: Rainer fragt, wie sich das Gewerbe zu dieser Aufgabe stellt, Lernenden solche Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. – Der Referent schlägt folgendes Vorgehen vor: Prospekt von LIFT mit Begleitbrief persönlich vorbeibringen. Direkt mit Agenda gehen, Datum vereinbaren = „Klinken putzen“. die Gewerbler müssen informiert werden, dass sie Leute kriegen, dass sie einen gesellschaftlichen Auftrag haben, dass Jugendliche nicht herumhängen. Argument dass man keine Zeit oder keine Arbeit hat, wird schnell widerlegt: die Jugendlichen müssen nicht gross entlöhnt werden. Markus: Sie sollen eine einfache Arbeit machen können und arbeiten lernen.

 

Liste von Argumenten:

·         - Erfahrung bei Wochenarbeitsplätzen ist, dass Leute in der Wirtschaft gute Erfahrungen machen und Vorurteile abbauen.

      - Die schulische Leistung ist nicht massgebend, sondern die praktische Erfahrung.
- LIFT ist nachhaltiger als eine Schnupperlehre. Es ist ein Kennenlernen der Berufswelt.

·         - Suche der Wochenarbeitsplätze möglichst im Spektrum der Berufsfelder.

·         - Pünktlichkeit und Verlässlichkeit, Anstand zählen deutlich höher als intellektuelle Leistungen.

·         - Jugendliche wählen ihre Lehrstelle realistischer, wenn sie die Arbeitswelt kennengelernt haben. Dies ist auch im Interesse der Arbeitswelt.

 

Zu bedenken:

·         Die Zusammenarbeit mit Eltern kann in manchen Fällen sehr schwierig sein, wenn Eltern nicht verstehen, um was es geht. Der Einsatz der LP kann wichtig sein, wenn Lernende von daheim aus überhaupt keine Ahnung haben, worauf es ankommt, z. B. Auftreten, Kleidung… Bei der Suche nach Wochenarbeitsplätzen für die SchülerInnen kommen Lehrpersonen in direkten Kontakt mit der Berufswelt. Das kann spannend sein. Aber da es zeitaufwändig ist, empfiehlt es sich geeignete Personen für diesen Auftrag zu suchen. Im Kt. ZH setzen sich Pensionierte, die sich beim Gewerbe auskennen, ein. Sie erhalten eine kleine Entschädigung. Menschen, die noch im Erwerbsleben stehen und ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, müssten ordentlich entlöhnt werden. Sie würden schnell zu teuer.

·         Die Frage nach dem Erfolg kann noch kaum beantwortet werden; der Erfolg kann nur im Vergleich mit ähnlichen Voraussetzungen gemessen werden. Man müsste eine Kontrollgruppe mit ähnlichem Hintergrund suchen!

 

Eine Lehrpersonengruppe hat sich in Neuenhof dafür eingesetzt, dass man von den 30 Zusatzlektionen 9 Lektionen für LIFT benutzt hätte. Die SL hat andere Prioritäten gesetzt; der Wert von LIFT ist noch zu wenig bekannt. Bernhard wünscht sich, dass LIFT sich im Aargau ganz leise verbreitet.

 

Ende: 21:50

Für das Protokoll: Gabriele Baldinger

 

    
Stand: 15. Jan. 2012 / Kontakt: Webmaster gesucht! Bis dahin: bernhard.rauh@bluewin.ch