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Zu „Stärkung der Volksschule“ (Abstimmung am 11. März 2012) Der Grosse Rat hat am 8. November 2011 die Vorlage zur Stärkung der Volksschule mit 113:16 Stimmen gutgeheissen. Dem Antrag auf ein Behördenreferendum stimmte der Rat mit 89:32 Stimmen zu, weshalb am 11. März 2012 - neben der Abstimmung über die Verfassungsänderung - auch eine Volksabstimmung zur Schulgesetzänderung stattfindet. Damit werden auch im Aargau die bundesrechtlichen Vorgaben zur Harmonisierung des Schulwesens mit den entsprechenden strukturellen Anpassungen umgesetzt. Schuleintritt, Schulpflicht und Dauer sowie die Ziele der Bildungsstufen werden vereinheitlicht. Die Primarschule wird in Zukunft sechs, die Oberstufe drei Jahre dauern. Die Einführung des Systemwechsels von 5/4 auf 6/3 erfolgt auf das Schuljahr 2014/15. Der Kindergarten bleibt Kindergarten, wird aber als Bestandteil der Volksschule verankert, so dass die heilpädagogische Förderung bereits hier einsetzen kann. Schulen mit besonderer sozialer Belastung erhalten Zusatzlektionen zugesprochen und die Rahmenbedingungen für den Lehrberuf werden attraktiver gestaltet.
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auch auf der Website des BKS: Die Einführung der 6. Primarklasse ist aus unserer Sicht eine gute Sache. Wir haben ausreichend Zeit für die Umstellung. Und sowohl für die Lernenden wie für die Gesellschaft bedeutet das zusätzliche Primarschuljahr einen pädagogischen Gewinn. Für das Gewerbe bedeutet dies schliesslich sogar einen Qualitätsgewinn. Mit der Einführung der 6. Primar wird die Oberstufe verkürzt. Die Realschule, die Sekundarschule und die Bezirksschule wird zukünftig 7.-Klässler übernehmen. Vielen gibt die neue Struktur Anlass zu allerlei Befürchtungen – uns gibt sie Anlass zu viel Hoffnung! Das Problem der Zuteilung von Oberstufenlehrpersonen an die Primar geht alle drei Stufen gleichermassen an. Angesichts des Lehrpersonenmangels dürfte die Überführung problemlos sein. Sowohl an der Sekundar- wie an der Realschule werden Fachlehrpersonen benötigt. Durch natürliche Abgänge und Zurückhaltung bei Neueinstellungen könnte sich die Zahl der entwurzelten Lehrpersonen in Luft auflösen. Zur Minimierung von Rochaden können Schulleitungen nach Absprachen im Team ihre Stellenausschreibungen frühzeitig anpassen. Das Stimmvolk wird leider oft verunsichert, weil aus den Reihen von Lehrpersonen immer wieder Bedenken geäussert werden, die letztlich dem gewerkschaftlichen Interesse dienen und nicht wirklich dem Kind. Wer ein Kind schulen darf, muss ethisch denken, muss es unterlassen, Bedenken, die die eigene Arbeit betreffen, mit Themen, die das Wohl des jungen Menschen betreffen, zu vermischen. Die komplexe Aufgabe der Schulung beinhaltet ja nicht nur die Anhäufung von Schulstoff oder das Mehren des Wissens innerhalb von vorgegebener Zeit. Mindestens ebenso wichtig ist, dass der junge Mensch Strategien entwickeln lernt, die ihm möglich machen werden, seine Aufgabe innerhalb dieser Gesellschaft zu erfüllen. Natürlich soll ein Mensch in seinen persönlichen Stärken besonders gefördert werden. Integration aller Lernenden in gemeinsame Klassen schliesst individualisierenden Unterricht und Niveauunterricht nicht aus. Wenn Jugendliche aber gänzlich separiert werden, lernen sie, dass sie nicht mehr zu den anderen gehören – und die anderen nicht mehr zu ihnen. Wer diesen Gedanken sowohl für die Stärksten wie auch für die Schwächsten weiterverfolgt, wird schnell erschrecken! Die Folgen für unsere Gesellschaft sind so gross, dass wir uns fragen müssen, ob Separation, wie sie die Aargauische Schule macht, überhaupt erlaubt sein darf. Sechs statt fünf Primarschuljahre bedeuten ein Jahr weniger Separation, nämlich drei statt vier Jahre abgesondert sein. Das ist wenigstens ein Viertel besser als bisher! Das Argument, dass das Gesamtniveau sinke, ist Angstmacherei. Es stellt auf arrogante Weise die Leistung der Primarlehrpersonen in Frage, die zur adäquaten Vermittlung des Schulstoffes für heterogene Klassen pädagogisch und fachlich durchaus befähigt sind. Primarlehrpersonen leisten schon immer das Kunststück, welches sich die Oberstufenlehrpersonen auch aneignen müssen: Die optimale Förderung jedes einzelnen Kindes in heterogenen Klassen; denn die Integration von SchülerInnen mit besonderen schulischen Bedürfnissen (IS) in die Regelklassen wurde an den meisten Schulen im Aargau vollzogen und ist ein Gebot der Menschlichkeit. Sicher ist es aber eine Fehlüberlegung, IS an der Oberstufe ausschliesslich der Realschule zu überlassen. Das bedeutet eine allzu grosse Belastung in der ohnehin am stärksten belasteten Stufe. Gleichmässig verteilt jedoch, auf alle Klassen der Primar- und Oberstufe, d.h. auf Real-, Sekundar- und Bezirksklassen, bedeuten diese Lernenden eine pädagogische Bereicherung! Der Werkunterricht an Maschinen kann gut der OS vorbehalten sein; das gibt den Lernenden Vorfreude auf den Stufenwechsel nach der 6.Primarklasse! Das Argument, dass ein junger Mensch den Stufenwechsel im sechsten Jahr besser vollziehen kann als im siebten, ist eine Behauptung. Entgegen allen Unkenrufen sind wir der Meinung, dass es sogar positiv beurteilt werden kann: Für die Lernenden ist der Schulwechsel zum neuen Zeitpunkt, am Anfang ihrer Pubertätsphase, eine neue spannende und interessante Herausforderung, zu deren Gelingen sie bereits ganz bewusst beitragen können. Und wenn man schon den „pädagogischen Mehrwert“ fordert: dieser ist überzeugend! Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wollen die Harmonisierung der Schweizer Schule. Das Bildungskleeblatt wäre ein grundlegender und mutiger Schritt in dieser Richtung gewesen. Diesen haben sie nicht gewagt. Der neu vorgeschlagene Strukturwechsel ist ein viel kleinerer und durchaus vollziehbarer. Wenn aus fast allen Kantonen der Schweiz junge Menschen 6 Primarschuljahre durchlaufen haben und nach der obligatorischen Schulzeit befähigt waren und sind, die weiterbildende Ausbildung anzufangen, so wird es der Kanton Aargau wohl ebenso schaffen. Wir hoffen, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 11. März 2012 diesen ersten Schritt zur beschlossenen Harmonisierung ohne Zagen tun! 17.01.2012 / Gabriele Baldinger |
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Stand: 24. Januar 2011 /
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